Soziokultur

›Q - oder wie die Reformation nach Oldenburg kam‹

Ein soziokulturelles Film-Straßentheater-Projekt in und um die Lambertikirche, das Schloss, den Schlossgarten und in der Oldenburger Fußgängerzone.
 
Was ist Q?

Zunächst einmal ist Q ein Roman von Luther Blissett – einem italienischen Autorenkollektiv aus Bologna. Der Roman ist ein historischer Thriller über die Zeit der Reformation (nein, er erstand nicht zur Jubelfeier, sondern war schon 2000 in Italien ein Bestseller). Q ist darin ein Agent des Papstes mit der Mission, den Geist der Revolte auszulöschen, der mit Luther in die Welt kam. Aber nicht so sehr Luther selbst ist für Q der große Gegner, sondern Thomas Münzer, der geistige Führer der Bauernrevolte und die Wiedertäufer, die auf dem Höhepunkt ihrer Bewegung in Münster eine Freie Republik gründen.
 
Was ist nun Q für uns?

Wir nutzen die Geschichte, um Theater, Film und Diskussion zu verbinden (eine Weiterentwicklung unserer Erfahrungen mit Exit). Wir drehen erneut in Kooperation mit unserem Nachbarn, dem Lokalsender O1, eine Serie, die Elemente von Q aufgreift, aber in deren Mittelpunkt die historischen Geschehnisse der Reformation in Oldenburg zwischen 1517 und 1536 stehen. Die jungen Oldenburger Grafen, insbesondere Christoph und Anna, sowie die beiden Theologen Ummuis und Renzelmann, welche die Reformation in Oldenburg durchsetzten, stehen (zusammen mit zwei Mönchen und einer Gauklerfamilie) im Zentrum der Serie – aber es gibt auch kleine Ausflüge nach Wittenberg und Münster.
 
Wir wollen aber keinen historischen Film drehen, sondern nur ein paar historische Szenen. Deshalb gibt es Theateraktionen, die den Bogen von Luther zu uns schlagen und die andere Elemente in die Filmhandlung einbringen.
 
Zum Beispiel die Aktion: ›Anschläge!‹

Oder Variationen eines Anschlages. ›Anschläge‹ sind eine Reihe von Walkacts, also kurze Straßentheaterszenen, in denen es darum geht, auf aktuelle Missstände aufmerksam zu machen. So wie Luther seine Thesen an die Kirchentür anschlug (egal, was die Historiker dazu sagen), so werden an verschiedenen Orten in der Fußgängerzone ›Kirchentüren‹ aufgestellt und ›Thesen‹ angeschlagen – um über notwendigen Veränderungen der Welt zu diskutieren.

Oder die Aktion: ›Wir sind die Guten – vernichtet die Bösen!‹
Das ist ebenfalls eine Aktion zur Diskussion: Ob Bücher- oder Hexenverbrennung, ob Judenverfolgung oder Islamfeindlichkeit – wir wollen in kleinen und kurzen Aktionen aufzeigen, dass Toleranz und Kommunikation die Wege sind, die eine lebenswerte Gesellschaft voranbringen. Jede Abgrenzung, jede Verteufelung und erst recht jede versuchte gewaltsame Einflussnahme gegen anders Denkende oder Glaubende hat seit der Reformation eine offene und gerechtere Gesellschaft behindert oder gar verhindert. Die Ketzerverfolgung der Kirche feiert heute in anderen Formen immer noch furchtbare Triumphe, nicht nur in der Türkei und den USA.
 
Die Serie ›Q‹ besteht also – wenn sie als Serie Ende Oktober vom Sender Oeins gesendet wird – aus einer Reihe von kleinen Filmszenen, die versuchen, die Geschichte von Menschen aus dem Oldenburg der Reformationszeit nachvollziehbar zu machen. Diese kleinen Geschichten münden immer wieder in Großaktionen, die mit vielen Menschen in Form von einer Theateraktion entstanden sind und der historische Fluss der Handlung wird öfters unterbrochen durch Theateraktionen und Gespräche, welche die Historie mit aktuellen Themen und Sichtweisen verbinden.
 
Die Theaterszenen und die Publikumsaktionen wurden von den Regisseuren Norberto Presta, Ulf Goerges, Björn Kruse und Markus Weiß entwickelt und inszeniert. Dabei hatten sie bei den Straßenaktionen freie Gestaltungsspielräume, während sie bei den großen Mitmachaktionen einen engeren Rahmen gesetzt bekamen, da diese Inszenierungen auch den Anforderungen des Films (Drehbuch: Ulf Goerges & Bernt Wach) gerecht werden mussten.
 
Hinzu kommt im Herbst (Ende Oktober - wenn die Serie fertig geschnitten ist) eine Reihe von Gesprächen, Vorträgen, Diskussionen über das Thema. Hier werden Oldenburger Bürger wie Fachleute zur Aktualität der Reformation oder zu den vergessenen Teilen des Bauerkrieges in unserer Gegend befragt und diskutieren über Religion und Gesellschaft.
Im Vorfeld und begleitend findet eine wissenschaftliche Unterstützung unserer Arbeit durch die Universität Oldenburg (Institut für Geschichte, Geschichte der Frühen Neuzeit: Prof. Dr. Dagmar Freist und Prof. Dr. Benjamin Marschke) statt. Das Projekt ›Freiheitsraum Reformation‹ ist an der Fakultät 4 – Human- und Geisteswissenschaften angesiedelt und hat bereits im Vorfeld mit der Kulturetage und Pfarrer Dr. Ralph Hennings von der Lambertikirche eine Theaterinszenierung zum Thema Reformation und religiöse Pluralisierung erarbeitet. Dabei ging es um die konkreten Anfänge der Reformation in Oldenburg 1527 durch Ummo Ilksen aus Stadland, der in Wittenberg studiert hatte.

Die Premiere des ersten Serienteils findet am 01. November um 19:00 Uhr im Studio statt. Weitere Informationen finden Sie hier.



Gefördert durch:

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